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WM 2017 – die „Große“

Ja, auch die große WM stand dann mal wieder an, diesmal sollte sie in Köln und Paris stattfinden. Paris – vor bald 20 Jahren war ich zuletzt dort, und Detlef noch nie! Das wollten wir also ändern und meldeten bei unserem Redakteur den entsprechenden Wunsch an.

Nachdem der Urlaub so kurz nach der Woche in Rumänien auch genehmigt war, wurde die Suche nach einer passenden Unterkunft verfeinert, und wir legten uns auf ein Aparthotel fest, das 3-4 Metro-Stationen von der „AccorHotels Arena“ in Bercy entfernt in einer Seitenstraße liegt. Eigentlich wollten wir mit den Thalys fahren, doch es gab dann keine uns passende Abfahrtszeit oder keinen passenden Sparpreis. Ein Flug kam für den Hinweg günstiger, also sollte es dann sonntags (3. Spieltag) um 14 Uhr mit Germanwings nach CDG gehen, der Rückweg passte dann mit dem Thalys am Sonntag später. Soweit der Plan. Was nicht passte, war die (kommentarlose) Absage der Akkreditierungen. Tja, da haben wir erst einmal blöd aus der Wäsche geguckt, dann wären ja 7 Tage eigentlich schon zu viel! Nach der ersten Enttäuschung haben wir uns auf „leichteres Gepäck“ (z.B. ohne das große, lichtstarke Objektiv und mit nur einem Laptop) und richtigen Urlaub mit Ausschlafen, Bummeln und Sightseeing eingestellt – ist ja auch mal nicht schlecht! Es gab dann auch eine Aktion, Tickets für Spiele in Paris mit Rabatt zu bestellen, wobei wir zugeschlagen haben und 3 Spiele bestellt, denn wir wollten natürlich den Ground nehmen und die Norweger spielen sehen (mit 2 ehemaligen DEG-Spielern in ihren Reihen).

 

Freitag, 5.5.

Heute fing die WM an, und wir stellten uns auf einen Fernsehabend ein, denn Deutschland spielte abends gegen die USA. Kurz vor dem Spiel bekamen wir von unserem Redakteur die Mail, dass jetzt doch Akkreditierungen bereitliegen für uns! Uups – was jetzt?!? Also gedanklich den Koffer wieder ausgepackt... Ach ja – Deutschland konnte das Auftaktspiel gegen die USA gewinnen, und nicht nur bei den Reportern bei Sport1 keimte Hoffnung auf, dass diese Heim-WM genauso erfolgreich sein möge wie 2010, als Deutschland ebenso mit einem (Overtime)Sieg gegen die USA gestartet war.

 

Samstag, 6.5.

Na, dann wollen wir mal nach Köln fahren und unsere Akkreditierungen abholen. Die gab es tatsächlich! Von Lettland-Dänemark haben wir noch den Rest gesehen, danach haben wir uns im Untergrund der KA umgesehen, wie und wo jetzt für die WM hier die Arbeitsbereiche wie Presseraum und Mixed Zone eingerichtet sind. Bei Detlefs Akkreditierung fehlt übrigens die 1, die zum Fotografieren an der Bande oder den ausgewiesenen Fotoplätzen berechtigt, und diese ließ sich auch nicht nachträglich ergänzen.... Wir sind jetzt hier als „web-TV“ - wofür auch immer das gut sein soll, denn während des Spiels darf man ja auch nicht filmen... Nachdem nachmittags die Slowakei mühevoll und erst in der Verlängerung gegen Aufsteiger Italien gewonnen hatte, fuhren wir wieder mit der Bahn nach hause, um den Rest der Partie Deutschland-Schweden am Fernseher zu verfolgen – schließlich war auch noch kein Koffer gepackt etc. Deutschland war übrigens zumindest nach 40 Minuten deutlich unterlegen und ging dann 2:7 unter.

 

Sonntag, 7.5.

Etwas ausschlafen, Koffer packen – also dann doch mit 2 Laptops und kompletter Fotoausrüstung – und um 12 Uhr geht es los. Die Fahrt zum Flughafen klappt ohne Wartezeit, alle Bahnen sind pünktlich. Auch am Schalter von Eurowings ist so gut wie nichts los, dass wir ganz schnell den Koffer aufgegeben haben. Weiter zur Sicherheitsschleuse – auch hier nichts los! Jetzt sind wir natürlich einiges zu früh dran (aber besser als auf den letzten Drücker!). Schließlich dürfen wir in den Bus steigen, der uns zum Flieger bringt. Der Flug ist etwas holperig bei komplett bedecktem Wetter bis nach Paris, kaum oben geht es auch schon wieder in den Landeanflug über, nach 55 Min landen wir auf dem Charles de Gaulle nördlich von Paris. Das ist ein riesiger Betonbau mit ewig weiten Wegen, aber schließlich haben wir unseren Koffer und finden auch den Weg zum Shuttle, der uns zum RER-Bahnhof bringt. Für 10 Euro pro Nase sind wir in gut 30 Min. am Gare du Nord (Nordbahnhof), wo die Metro uns weitere 30 Min bis zu unserem Hotel befördert. Fußweg noch 5 Min von der Metro, schnelles Einchecken und schon sind wir im Zimmer angekommen: recht geräumig, großer Tisch, kleine Kochnische, Kleiderschrank, Badezimmer – alles vorhanden! Nachdem wir den Koffer ausgepackt und unser „Arbeitsgerät“ umgepackt hatten, machten wir uns auf zur Halle – als Test zunächst einmal zu Fuß (ca. 20 Min).

Die Arena in ParisDie Arena in ParisWir kommen auch ziemlich genau am Medien-Eingang an, hier werden Taschen und Personen zunächst „gescannt“, kurz dahinter geht es schon in den Presseraum, der aktuell brechend voll ist, überheizt und mit sehr schlechter Luft. An einen Arbeitsplatz hier ist aktuell gar nicht zu denken, aber der Gastgeber hat ja auch soeben gespielt! Dann suchen wir uns halt direkt den Weg zur Pressetribüne. Diese befindet sich in der Kurve auf der oberen Tribüne, aber jeder Platz ist durch die Reihen gut zu erreichen.

Viele Schweizer sind bei ihren Spielen dabeiViele Schweizer sind bei ihren Spielen dabeiAbends gibt es noch das Spiel Norwegen gegen die Schweiz, in dem die Norweger so gar keine Schnitte sehen. Wir übrigens auch nicht, denn in der ersten Pause sind lange Schlangen an den Fressständen im Umlauf, und wo es weniger voll ist, gibt es nichts mehr... Das Bier hier in der Halle soll übrigens 10 Euro kosten! Ich hole uns dann doch etwas vom nicht wirklich überzeugenden Angebot aus dem Presseraum: ein Fertiggericht mit Nudeln, das man selbst in der Mikrowelle aufwärmt (5 Euro) – geschmacklich nicht wirklich ein Highlight, aber der Magen knurrte schon lauter als der Schiri pfeifen konnte! Nach dem Spiel haben wir uns auch noch das Treiben in der Mixed Zone angeschaut, und ich hab versucht, den beiden Ex-DEG-Spielern Kenny Olimb oder Andreas Martinsen Hallo zu sagen, was aber wegen der Menge der Menschen hier nicht geklappt hat. Auch ein Schweizer Andres Ambühl rannte einfach so durch die Zone, ohne rechts oder links zu blicken... Ach ja, uns wurde von einem befreundeten Kollegen gesagt, dass das Fotografieren von der Tribüne nicht erlaubt / möglich ist! Naja, da gab es nach dem Spiel eben keine Nacharbeit mehr!

 

Montag, 8.5.

Heute ist hier Feiertag, aber der nächstgelegene Supermarkt hat trotzdem geöffnet, und wir können unser Frühstück zusammenkaufen. Leider ist es etwas bedeckt draußen, doch wir machen uns zum Montmartre-Viertel auf. Viel gelaufen, vor allem Kopfsteinpflaster und rauf und runter. Auch in der Metro – die ist ja schon toll, man kann immer wieder in die nächste Linie umsteigen, aber die unterirdischen Wege sind oftmals ziemlich weit und gehen ebenfalls über viele Treppen. Die wenigsten Stationen haben Rolltreppen oder gar Aufzüge, also für Rollis oder Gehbehinderte so gar nicht geeignet! Wir hatten uns für ein Wochenticket entschieden, das zwar vielleicht etwas teurer ist, als wir eigentlich verfahren, dafür aber bequemer als jedes Mal beim Betreten der Metro einen kleine Streifen einzuschieben. Zunächst steigen wir am Triumphbogen aus, doch hier ist alles weiträumig abgesperrt, da wird es wohl zum Feiertag (Kriegsende) Kranzniederlegungen etc. geben. Wir steigen dann wieder in die Metro und lassen uns nach Montmartre fahren, wo wir einem Tourenvorschlag aus dem Reiseführer folgen.

es gibt auch Nebenstrassen in Paris - man staune
es gibt auch Nebenstrassen in Paris - man staune Als wir auf unserer Tour an einer Kirche ankommen, bin ich doch etwas enttäuscht, hatte ich das Innere der Sacré Cœur doch etwas anders, schöner im Kopf. Es war aber auch nicht Sacré Cœur, wie wir dann feststellten, denn hier war der Eingang erst an der nächsten Ecke. Es gab allerdings vorher einen Zaun, dort musste man wieder durch eine Sicherheitskontrolle – und entsprechend gab es eine lange Schlange. Dazu hatten wir aber keine Lust, wir genossen statt dessen den – verschleierten – Blick auf die Stadt, ehe wir uns über die große Treppe an den Abstieg machten. Pünktlich zum Start des Spiels Kanada gegen Weißrussland waren wir wieder in der Halle, Detlef hatte seine Kamera gleich im Hotel gelassen. Jetzt allerdings langweilte er sich, auch weil das Spiel eine recht einseitige Angelegenheit wurde und mit 6:0 an Kanada ging. Wir wollten anschließend in der Mixed Zone den Doppeltorschützen Nate MacKinnon interviewen, hatten auch den entsprechenden Wunschzettel abgegeben, doch wer nicht wollte (oder durfte) war der der Spieler – offenbar ist „web-TV“ für die Kanadier unwichtig... Prima – 2. Tag ohne „Arbeitsnachweis“! Das Abendspiel schenkten wir uns gefrustet und fanden lieber etwas zum Essen. Die Preise gehen eigentlich, wenn man nicht gerade am ersten Platz am Ort speisen möchte, nur die Getränke schlagen heftig zu Buche (und die stehen meist nicht einmal auf der ausgehängten Karte)! Als wir zum Hotel zurückkamen, haben wir uns ein wenig geärgert, muss doch das Spiel Finnland – Tschechien spannend gewesen sein; Tschechien gewann 4:3 nach Penaltyschießen! Eigentlich ist das hier ziemlich frustrierend – nachmittags hatte uns auch noch so ein „Gorilla“ den Zugang zur Pressetribüne verwehren wollen (den einzigen vom Presseraum aus, versteht sich!) - also wenn das so weitergeht, sitzen wir hier ziemlich nutzlos irgendwie rum! Eigentlich können wir auch früher abreisen! Aber Thalys hat keine günstigen Tickets mehr, einen Flug gibt es auch nicht, aber Flixbus geht! Also fix mal die Rückfahrt auf Freitag vorverlegt...

 

                                                       Dienstag, 9.5.

ein Seitenflügel vom Louvreein Seitenflügel vom LouvreHeute ist mal ganz tolles Wetter, und wir hatten uns eine Paris-Walking-Tour vorgenommen, bei der man uns „hidden Places“ versprochen hatte, Treffpunkt war vor dem Louvre. Da wir um einiges zu früh vor Ort waren, konnten wir dieses riesig große Gebäude schon einmal aus allen Winkeln ablichten, ehe man sich an der Pyramide davor traf. Es war nur recht wenig laufen aber viel erzählt, von dem man nicht wirklich alles verstand – nicht alle Franzosen sprechen ein für uns verständliches Englisch.

Wir kamen an zwei alten Einkaufsgalerien vorbei, okay, die hätte man ohne Führung sicher nicht gefunden... Wir konnten anschließend nochmals ins Hotel, ehe wir zum Nachmittagsspiel Slowenien gegen Norwegen zur Halle fuhren.

 

 

 

eine der alten Einkaufsgalerien
eine der alten Einkaufsgalerien Also mit unserer Wochenkarte für die Öffis ist das ja schon sehr angenehm! Nach dem Spiel, das Norwegen souverän gewann, versuchten wir unser Glück in der Mixed Zone. Und da das Spiel nicht wirklich viele interessiert hatte, bekamen wir unsere Wunschgesprächspartner vors Mikro: Jan Urbas aus Slowenien, der in der kommenden Saison in Bremerhaven spielen wird, Iserlohns Neuzugang Alexander Bonsaksen (NOR) und Ex-DEG'ler Andreas Martinsen (NOR). Auch „unseren“ Kenny konnten wir jetzt begrüßen, hab ihm aber angekündigt, dass wir übermorgen sprechen würden – 3 Interviews nach einem Spiel reichen!

Zum Essen hatten wir uns diesmal aus dem Reiseführer ein „Low Budget“ Restaurant ausgesucht, das wir schließlich auch fanden. Irritierend war allerdings, dass uns der Kellner des Chouchou auf der Straße abfing und gleich zu einem Platz führte, das sah dann doch wieder nach Touristenfalle aus. Aber das Essen war gut – ich konnte endlich mal wieder richtigen Couscous essen! Abends schauten wir noch den Rest des Spiels im Internet (Schweiz-Frankreich), während wir die Videos hochluden.

 

 

Mittwoch, 10.5.

 

Es stehen keine wirklich interessanten Spiele auf dem Programm (bei einer Akkreditierung als „web.TV“, wobei man nur in der Mixed-Zone filmen darf, aber ja eigentlich nur Spieler interessant sind, die deutsch sprechen oder in Deutschland spielen, ist der Arbeitsbereich ja sehr eingeschränkt), da können wir uns heute bei erneut strahlendem Sonnenschein mal voll auf Sightseeing konzentrieren!

Wir fahren mit dem Bus zur Pont Neuf, wo wir den Hinweis zur Seine-Rundfahrt entdecken, die gleich starten soll: kurz überlegt und rauf auf das Schiff. Ist auch max. halb voll, sodass wir uns noch den Platz am Heck aussuchen können und uns auch ein bisschen bewegen zum fotografieren. Es geht von der Insel erst mal Richtung Eiffelturm, am Louvre vorbei, unter der sehr schönen Alexanderbrücke hindurch. Am „rostigen Nagel“, wie Detlef den Tour Eiffel nennt, dreht unser Ausflugsdampfer, es geht zurück zur Île de Cité, wo wir um Notre Dame herumfahren und auf der anderen Seite der Inseln wieder zurück zur Anlegestelle kommen. Weiter geht es zu Fuß. Am Châtelet kommen wir zunächst an einer Absperrung vorbei – es ist die Rückseite vom Justizgebäude, und hier kommt wohl grad ein Gefangenentransport an – und wir verschwinden mal in der Metro. An der Oper kommen wir wieder ans Tageslicht und laufen zur Galerie Lafayette, die wir innen bestaunen (schöne Kuppel, leider hängen irgendwelche Fähnchengirlanden dort kreuz und quer, dass das Foto etwas gestört wird), um dann von der Dachterrasse den versprochenen Ausblick zu genießen. Naja, viel gibt es hier nicht zu sehen, man kann eigentlich nur auf die gegenüberliegende Oper gucken, lohnt also nicht wirklich. Wieder runter, die Oper von der Straße aus angeschaut, dann geht es weiter zur Kirche Madelaine, die von außen aussieht wie ein Tempel. Leider sind wir zu spät für das Mittagessen, das es hier im Untergeschoss geben soll, aber nach gutem Frühstück ist es für uns auch eigentlich zu früh zum Essen. Wir folgen dem Boulevard bis zum Place de la Concorde. Dort steht – nein, nicht das Überschallflugzeug – der Obelisk, sowie nebenan ein Riesenrad. Aber hier ist auch eine größere Schlange, also wird nur der Platz begutachtet. Hier fängt die berühmte Champs Elysée an, die wir mit dem Bus abfahren wollen. Nun, so toll wie im Reiseführer beschrieben, ist diese Busfahrt irgendwie nicht... Der Bus fährt um den Triumphbogen herum, der jetzt wieder zur Besichtigung freigegeben ist. Wir bleiben aber sitzen bis zu einem weiteren Platz, Porte Mailot.

Postkartenblick auf Notre DamePostkartenblick auf Notre DameHier gucken wir mal, wo denn der Flixbus abfährt. Wieder mit der Metro suchen wir einen anderen Aussichtspunkt, der sich auf der Restaurant-Terrasse des „Institut Arabe“ befindet. Nach der üblichen Sicherheitskontrolle konnten wir von hier oben auf Notre Dame und die Seine-Inseln blicken. In der Nähe des Rathauses kehrten wir anschließend in einem Bistrot ein – endlich mal sitzen! Busse und Bahnen sind nämlich doch meist recht voll, dass man fast immer Stehplatz hat. Etwas ausgeruht und gestärkt mache wir uns auf den Rückweg, wo wir aber noch einen Spaziergang über das Marsfeld machen und uns über die vielen Leute amüsieren, die in allen möglichen Verrenkungen mit dem Eiffelturm im Hintergrund posieren und Selfies machen müssen, am besten mit den Selfie-Sticks, die hier von fliegenden Händlern angeboten werden. Die Händler hört man schon von weitem, haben andere doch ganze Bündel von Miniatur-Türmen in der Hand... Lustig zu sehen, wie die auf einmal rennen und vom Erdboden verschwinden, wenn Polizisten auftauchen! Doch kaum sind die Beamten um die Ecke verschwunden, sind die Händler wieder da, als wäre nichts gewesen. Auch zum Eiffelturm kann man nicht ohne weiteres vordringen – hier ist ebenfalls etwas weiträumiger abgesperrt, und auch zu den Kassen kommt man erst nach einem Sicherheitscheck. Wir haben uns das geschenkt, sind statt dessen lieber etwas weiter und auf eine Seinebrücke gegangen, über die auch die Metro fährt. Hier hatte man nochmals einen schönen Blick auf dieses Wahrzeichen. Und am Ende der Brücke wartete dann unsere Metro auf uns, die uns zurück zum Hotel brachte (auf Google-Maps mal nachgeprüft: das waren (ohne die Bootsfahrt) heute 33,2 km!). Abends konnten wir noch das Deutschlandspiel im Internet verfolgen.

 

                                                                                                                                  Donnerstag, 11.5.

Gare du NordGare du NordAuch heute wieder sehr schönes Wetter – eigentlich schon fast zu warm! Man kann's hier ja doch aushalten, und so legten wir Plan B ad acta und stornierten die Rückfahrt mit dem Flixbus – und bleiben wie geplant bis Sonntag! Dann also als erstes mal zum Nordbahnhof, um zu gucken wo unser Thalys dann abfährt, denn beim erstmaligen Umsteigen hier, als wir vom Flughafen kamen, sah alles sehr unübersichtlich aus und wir hatten keinerlei Hinweis auf die Fernzüge gefunden. Aber auf diesem Wege und aus der Metro kommend ist alles total einfach! Wir laufen zum benachbarten Ostbahnhof, finden dort in der Nähe eine kleine Kirche, die auch schöne Fenster hat, dann müssen wir schon den nächsten Bus nehmen, der uns nach Bercy bringt, denn heute sind wir zum Mittagessen verabredet. Bei der U20 WM hatten wir für einen Bekannten, der ein Internetmagazin in Österreich betreut, die Österreichspiele fotografiert und geschrieben, wofür Andreas uns dann ein gemeinsames Essen versprochen hatte. In der Nähe der Halle gab es Hamburger und Steak für uns (wobei mein Steak ziemlich kalt daherkam). Als Andreas wieder zur Halle aufbrach, fuhren wir nochmals die drei Stationen zurück zum Hotel, um auch unser Arbeitsmaterial aufzunehmen. Gerade als wir durch das Drehkreuz waren, sehen wir bekannte Gesichter davor stehen: Olaf und Susanne! Sie waren gerade angekommen und wollten vor dem Abendspiel noch in die Stadt. So konnten wir gemeinsam das kleine Stück fahren und verabredeten uns für abends in der Halle.

Tschechien gegen Norwegen war spannend bis zum Schluss: es blieb über 60 Minuten torlos und Norwegen hat sich den Punkt redlich verdient. Am Ende gelang den Tschechen dann in der Verlängerung der Siegtreffer. Der gewünschte Spieler der Tschechen lief ebenfalls an den Mikrofonen vorbei, ohne etwas zu sagen. Dafür aber konnten wir Ken Andre Olimb doch ein Lächeln auf das etwas enttäuschte Gesicht zaubern, und wir konnten uns etwas unterhalten – Kenny spricht ja sogar ein nettes Deutsch, was dann fürs Interview immer gut ist. Im Presseraum fanden wir auch ein Plätzchen und konnten das Interview direkt hochladen. Rechtzeitig begaben wir uns wieder in den Umlauf und konnten so unsere Freunde direkt an der Treppe abfangen, als sie ankamen. Es ist lustig, dass man sich immer irgendwo in Europa bei Länderspielen trifft! Kanada gegen Frankreich war auch recht interessant, der Rekordweltmeister hatte doch etwas Mühe mit dem kleinen Frankreich! Da wir mit den beiden zusammen die Halle verließen, ging es nicht durch den Medienbereich sondern mit der Masse der Zuschauer den allgemeinen Ausgang – und hier wurde man weit um die Halle geführt, ehe es über eine kleine Fußgängerbrücke über die Seine ging. Für den schönen Blick auf das beleuchtete Viadukt unserer Metro über die Seine hatten wir leider keine Ausrüstung dabei (Kamera), schade! An der Metrostation verabschiedeten wir uns, Olaf und Susanne hatten direkt hier ihr Hotel und fuhren auch am nächsten Tag wieder zurück nach Köln.

 

Freitag, 12.5.

Hier ruht der Frontmann der Doors: Jim Morrison (Père Lachaise)Hier ruht der Frontmann der Doors: Jim Morrison (Père Lachaise)Heute wollten wir nochmals etwas angucken und zwar die beiden berühmten Friedhöfe Père Lachaise und Montmartre. Im Internet hatte ich gelesen, dass man den Père Lachaise, den meistbesuchten Friedhof nach dem Wiener Zentralfriedhof, besser nicht durch den Haupteingang betritt sondern lieber mit der Metro eine Station weiterfährt, um von dort den Friedhof Richtung Haupteingang zu laufen. Da wir am Place de la République umsteigen mussten, sind wir auch mal eben an das Tageslicht gestiegen und konnten die große Figur der „Marianne“ in der Mitte anschauen und auf die Speicherkarte bannen. Dann aber ging es zum Friedhof, der uns zunächst so gar nicht vom Sockel riss: es gibt zwar hier vom nordöstlichen Eingang aus eine breite Allee, von der auch breitere Wege abzweigen, die Gräber aber sind dicht an dicht und teilweise in drei, vier und fünf Reihen hintereinander, dass man über die vorderen Gräber treten muss, wenn man eines der hinteren Reihen sehen will. Ober eben sich an oder zwischen den ganzen, oftmals sehr vernachlässigten und verkommenen Gedenkhäuschen vorbei quetschen. So war es auch kein Wunder, dass wir von den im oberen Teil liegenden Berühmtheiten niemanden fanden. Auf unserem weiteren Weg kamen wir zum „unteren“ Teil des Friedhofs – hier ging es nun langsam aber stetig bergab, und die Gräber lagen so etwas „malerischer“, da in Hanglage und daher versetzt, auch waren daher nicht so viele und so dicht hintereinander, und es gab mehr schmale Wege dazwischen. Anstrengend war aber selbst bergab das Kopfsteinpflaster! Im Unteren Teil fanden wir dann auch das Grab von Jim Morrison (Doors-Sänger, gest. 1971), das aber auch etwas verwahrlost aussieht. Kurz darauf waren wir auch am Haupteingang angelangt – eine große Kreuzung und auf jeder Ecke ein Bistrot, wie hier in Paris fast überall zu sehen. Ja, ein wenig hinsetzen könnte jetzt nicht schaden! Bei einem kühlen Erfrischungsgetränk mit kleiner Beilage zum Essen (warmer Camembert mit Honig-Vinaigrette!) traten Detlefs Zahnschmerzen, die ihn am gestrigen Donnerstag urplötzlich überfallen hatten, wieder so stark auf, dass er jetzt nicht einmal etwas dagegen hatte, dass ich mal eben zur Apotheke auf der anderen Straßenseite lief und ihm Schmerztabletten holte!

So gestärkt und bei weiterhin schönem Sonnenschein fuhren wir zum Montmartre. Da wir an der Metrostation beim Moulin Rouge ausstiegen, konnten wir dieses jetzt nochmals bei Sonne fotografieren, ehe wir einen anderen Weg nahmen als am ersten Tag und den Montmartre-Friedhof suchten, der als sehr malerisch beschrieben steht. Der Eingang allerdings alles andere als malerisch – unter der Brücke einer großen Straße stehen die ersten Grabmale. Dieser Friedhof sieht etwas gepflegter aus, die Grabmale nicht so verfallen – vielleicht sind die Gräber hier auch nicht so alt? Direkt am ersten Kreisel steht ein Grabmal, das aussieht wie eine Taucherglocke, ganz aus rotem Marmor. Und gegenüber eine Große Figur, die ich mir näher ansehe, wofür ich auf eine höhere Ebene steigen muss: es ist das Grab von Émile Zola (Schriftsteller und politischer Journalist, gest. 1902). Weiter hinten an einer Allee entdecken wir in zweiter Reihe das weiße Grabmal von Heinrich Heine und das interessante Grabmal des Balletttänzers und Choreografen Vaslav Nijinski (gest. 1950). Auffällig war auch noch ein anderes Grab – der Verstorbene muss wohl ein Bahner gewesen sein – ein Zug auf dem Grabstein eingraviert sowie eine Reihe Metrofahrscheine auf dem Grab wiesen darauf hin.

Basilika Sacré CoeurBasilika Sacré CoeurWeil jetzt noch immer schönes Wetter war – der angekündigte Regen war mal eben vorbeigezogen, als wir mit der Metro fuhren – beschlossen wir, nochmals zur Sacré Cœur hinaufzugehen, oder besser die Standseilbahn / Schrägaufzug (Funiculaire) zu nutzen. Oben war dann nicht einmal eine Schlange an der Einlasskontrolle, sodass ich den Rucksack bei Detlef auf der Freitreppe ließ und mich mit der Kamera bewaffnet in die Kirche begab. Leider war gerade Gottesdienst, den ich erst abwartete, ehe ich meinen Rundgang anfing (auch wenn während der Messe nur das „Mittelschiff“ abgetrennt war und sich die Besucherströme nicht gerade leise außen herum bewegten). Nach einigen Fotos von den schönen Mosaiken traf ich draußen wieder auf Detlef, der sich trotz der langen Zeit nicht gelangweilt hatte, denn auf der Freitreppe hatte zwischendurch ein Künstler das Halleluja von Leonardo Cohen zum besten gegeben. Auf dem Weg ins Zentrum konnte ich mich nochmals mit netten Postkarten eindecken – ich hatte am ersten Tag eine schöne vom Montmartre-Viertel mit einer Katze gefunden, Katzen allerdings hatten wir bisher in der ganzen Stadt nicht eine einzige gesehen.

 

Blick auf die - auch bei Sonnenschein - graue Stadt ParisBlick auf die - auch bei Sonnenschein - graue Stadt ParisErst heute Mittag auf dem zweiten Friedhof liefen uns dann gleich drei über den Weg. Wir fuhren noch zum Place de la Bastille, der aber nicht schön ist – die Bastille gibt es nicht mehr, hier steht jetzt ein ganz modernes Gebäude, das eine der Opern beherbergt. Zwei Straßen weiter befindet sich aber der Vogesenplatz, der ganz nett ist – zumindest mal ein grüner Platz ohne Verkehr! Dann knurrte der Magen, und wir landeten schließlich im „Hippopotamus“ zum leckeren Essen. Von unserem Fensterplatz konnten wir dann die Leute beobachten, die mit Regenschirmen dem plötzlichen Platzregen zu trotzen versuchten. Auf dem Rückweg zum Hotel machten wir nochmals Halt an „unserem“ Carrefour – und liefen Erik, Ralf und Dominik aus Ratingen in die Arme, die für einen Kurzbesuch gekommen sind und in der Nähe des Place d'Italie ihre Unterkunft gefunden haben. Das Abendspiel haben wir uns dann im Internet angeschaut (Deutschland gegen Dänemark).

 

 

 

Samstag, 13.5.

Ach ja: ich habe mir endlich ein Norwegentrikot gekauft - und konnte das auf unseren Fan-Plätzen ja auch mal tragen!Ach ja: ich habe mir endlich ein Norwegentrikot gekauft - und konnte das auf unseren Fan-Plätzen ja auch mal tragen!Heute haben wir bereits die Koffer gepackt, ausgiebig gefrühstückt (schade, der Bäcker hat am morgigen Sonntag zu), dann ging es auch schon zur Halle, denn heute sind drei Spiele, und das erste beginnt bereits um 12:15 Uhr. Da alle Interviews gemacht waren, hatten wir nur eine kleine Ausrüstung mit und setzten uns mal auf unsere gekauften Plätze im Oberrang Höhe Mittellinie. Auch eine gute Übersicht von dort! Hier konnte Norwegens Andreas Martinsen in der Schlussminute den Puck zum 2:2 Ausgleich ins finnische Tor arbeiten. In der Verlängerung aber konnten die Finnen den entscheidenden Treffer erzielen und haben hier den entscheidenden Schritt in Richtung Viertelfinale gemacht. Das allerdings sahen wir schon von der Mixed Zone aus am Übertragungs-TV, denn ich wollte mich noch von Kenny verabschieden, was dann auch gelang. Nicht klappte allerdings ein Foto, denn Detlef durfte auch in der Mixed Zone nicht fotografieren, weil ihm die entsprechende Zahl auf der Karte fehlte.....

 

Eine kleine Rangelei vor dem finnischen Tor - und mittendrin Andreas Martinsen!Eine kleine Rangelei vor dem finnischen Tor - und mittendrin Andreas Martinsen!Das zweite Spiel des Tages schenkten wir uns, es war das für uns weniger interessante Match zwischen Slowenien und Weißrussland. Statt dessen wollten wir zum asiatischen Viertel beim Place d'Italie fahren und dort etwas essen. Leider haben viele Restaurants nachmittags geschlossen, oder wir fanden Vietnamesen, Koreaner oder Thailänder mit nicht lesbarer Karte, sodass wir schließlich bei einem Chinesen landeten. Dort fanden wir auch zwei Gerichte, die uns mundeten. So gestärkt ging es zum Abendspiel Kanada-Schweiz wieder auf unsere Presseplätze. Kanada war überlegen, führte nach dem ersten Drittel 2:0 und nach 40 Minuten immer noch. Dass wir die Halle dann doch zu früh verlassen hatten, haben wir wenig später im Hotel festgestellt, als wir den Rest des Spiels am Rechner verfolgten: innerhalb von drei Minuten im Schlussabschnitt hatten die Schweizer das Spiel ausgeglichen und in der Verlängerung gar den Siegtreffer erzielt!

 

 

 

Sonntag, 14.5.

Nach einer erneut guten Nacht gab es Croissants aus dem Supermarkt mit dem letzten Cappuccino aus der Dose, die damit nicht mehr in den Koffer muss. Geschirr abwaschen, Reste in den Koffer, dann können wir gegen 10:30 das Hotel verlassen. Als wir auf die Metro warten, die auch sonntags mindestens im Fünf-Minuten-Takt fährt, meint Detlef „vielleicht treffen wir ja gleich in der Metro schon die Ratinger“, denn die haben ihre Rückfahrt mit dem gleichen Thalys wie wir. Und was passiert? Die Ratinger sind in exakt dieser U-Bahn und auch noch auf den Plätzen, wo wir gerade einsteigen! So haben wir die Wartezeit bis zum Einstieg in den Thalys noch im netten Gespräch verbracht. Die Sicherheitskontrolle war doch ziemlich lasch und oberflächlich, die Sitze im Zug aber sehr bequem. Wir hatten dann auch den mit WM-Logo lackierten Zug erwischt – wie passend! Der Schnellzug war sogar pünktlich, dass wir eigentlich noch in Köln das Abendspiel hätten gucken können. Aber wir blieben lieber zuhause bei unserer Katze mit einer leckeren Pizza vom Italiener unseres Vertrauens vor dem Fernseher. Dafür konnten wir dann schon den Koffer auspacken und die erste Wäsche erledigen (das geht vom Stadion aus ja nicht so gut – hahaha).

 

Montag, 15.5 bis Sonntag, 21.5.

Wir hatten auch diese Woche noch Urlaub, sodass wir zu allen Spieltagen nach Köln gepilgert sind. Schade dass ab den Viertelfinals die Halle nicht mehr wirklich voll war! Dass es am Samstag eine Abschlusspressekonferenz vor dem ersten Spiel gab, hatten wir auch nicht gewusst; wir kamen in den Raum, als noch eine kleinere Traube um DEB-Präsident Franz Reindl stand und bekamen noch mit, dass er die Ursache für die zeitweise schlechte Eisqualität in Köln erklärte: da hatten Slowakische Spieler ein kühlendes Körperspray benutzt, das Öle enthielt, die dann als Überschuss oder auch während der Dehnübungen auf das Eis kamen, mit der Zamboni dann schön über die ganze Fläche verteilt wurden und sich eben nicht mit dem Eis vertragen hatten – ja, so einfach ist es manchmal, kleine Ursache – große Wirkung!

Wie bei allen Spielen mit russischer Beteiligung war ein zweiter Hallensprecher am Mikrofon, und man teilte sich die Ansagen, die dann in englisch, deutsch und russisch erfolgten. Russland hatte in der Partie gegen Lettland das schönste Eishockey gezeigt, während sie sich mit Kanada im Halbfinale ein Duell auf Augenhöhe lieferten. Im anderen Halbfinale spielte Schweden mit Finnland Katz und Maus. So standen sich im Finale Kanada und Schweden gegenüber, mit den Schweden als verdiente Sieger. Deutschland ist erwartungsgemäß im Viertelfinale gegen Kanada ausgeschieden und konnte das Turnier auf dem 8. Platz abschließen, was aber eine weitere Steigerung und damit Besserplatzierung in der Weltrangliste bedeutet.

Mit Spannung hatten wir die in dieser Woche stattfindenden IIHF Konferenzen erwartet bzw. deren Resultate. So wurden hier die Gruppen für die kommende Saison der Champions Hockey League gezogen und auch die Spielorte der kommenden Weltmeisterschaften vergeben. Es ergeben sich einige interessante und sicher auch lohnenswerte neue Ziele!

 

Es gibt auch ein paar (mal wieder zu viele!) Fotos, die Ihr findet, wenn Ihr diesem Link folgt

--->   https://c.web.de/@358160561675960535/i3SB7MGNQYOxG40uqo0Fyw